Zuhause hören
Quadro, 5.1 und Co.: Mehrkanal-Audio zu Hause einrichten
Ein Stück, bei dem Klänge um dich herumwandern, statt nur von vorn zu kommen, ist zu Hause erstaunlich gut machbar. Mit vier oder sechs Lautsprechern, etwas Geduld und einem Massband kommst du weit.
Was Mehrkanal eigentlich bedeutet
Stereo hat zwei Kanäle, links und rechts. Mehrkanal heisst schlicht: mehr getrennte Kanäle, die jeweils an einen eigenen Lautsprecher gehen. Für zu Hause sind vor allem zwei Formate wichtig.
- Quadro (4.0): Vier Kanäle, je ein Lautsprecher vorn links, vorn rechts, hinten links, hinten rechts. Das Quadrat um dich herum ist die einfachste Form von Raumklang und für Klangkunst besonders beliebt.
- 5.1: Fünf Hauptkanäle (links, Mitte, rechts, Surround links, Surround rechts) plus ein Kanal für tiefe Frequenzen, der „.1“. Die Anordnung geht auf die Empfehlung ITU-R BS.775 zurück.
Viele Mehrkanalstücke aus der Klangkunst sind für Quadro oder 5.1 gemacht, und manche Dateien enthalten mehrere Kanäle in einem einzigen Container. Solche Dateien brauchen ein Abspielprogramm und eine Audioschnittstelle, die alle Kanäle einzeln ausgibt.
Was du brauchst
- Vier oder sechs Lautsprecher, idealerweise gleiche oder zumindest ähnlich klingende. Aktive Studiomonitore oder Lautsprecher mit eingebautem Verstärker sparen dir einen Verstärker.
- Eine Ausgabe mit ausreichend Kanälen: eine Mehrkanal-Audioschnittstelle, oder ein Receiver beziehungsweise Verstärker mit 5.1-Eingang und ein Rechner, der 6 Kanäle liefert.
- Kabel in passender Länge und Kabelbrücken oder Klebeband, damit niemand darüber stolpert.
- Ein Abspielprogramm, das Mehrkanaldateien ohne Herunterrechnen auf Stereo ausgeben kann und sich die Kanäle einzeln zuordnen lässt.
- Massband und Stift für die Aufstellung.
Aufstellung Schritt für Schritt
Fang mit dem Hörplatz an, nicht mit den Lautsprechern. Wähle einen Punkt, an dem du bequem sitzt, und behandle ihn als Mittelpunkt.
Quadro
Stelle die vier Lautsprecher so auf, dass sie ein Rechteck oder Quadrat um dich bilden. Die vorderen Lautsprecher stehen ungefähr im Winkel von 30 bis 45 Grad links und rechts von der Blickrichtung, die hinteren spiegelbildlich dahinter. Alle vier zeigen auf deinen Kopf. Wichtiger als exakte Winkel ist die Gleichmässigkeit: gleiche Abstände zu dir, gleiche Höhe.
5.1
Nach ITU-R BS.775 steht der mittlere Lautsprecher direkt vor dir, links und rechts je etwa 30 Grad daneben, die beiden Surround-Lautsprecher seitlich hinter dir bei ungefähr 110 Grad. Alle fünf sitzen idealerweise auf einem Kreis um den Hörplatz, in Ohrhöhe. Den Subwoofer für den „.1“-Kanal stellst du zunächst vorn ins Zimmer und probierst später andere Plätze aus, denn Tiefbass reagiert stark auf die Raumecken.
Kanalzuordnung: Wer ist wer?
Die häufigste Fehlerquelle ist nicht die Aufstellung, sondern die Zuordnung. Ein Stück, dessen hinterer linker Kanal vorn rechts ertönt, klingt schlicht falsch, ohne dass du sofort sagen kannst, warum.
Mach deshalb vor dem ersten Stück einen Kanaltest. Viele Programme können nacheinander ein Rauschen oder einen Ton auf jeden Kanal schicken. Mit ein wenig Bastelei geht es auch mit einer eigenen Testdatei, in der jeder Kanal mit einer gesprochenen Ansage benannt ist. Hör dir an:
- Kommt jede Ansage aus dem richtigen Lautsprecher?
- Sind links und rechts vertauscht?
- Sind vorn und hinten vertauscht?
- Kommt der Subkanal wirklich nur aus dem Subwoofer?
Schreib die Zuordnung, die funktioniert, auf einen Zettel. Beim nächsten Stromausfall oder Programm-Update wirst du sie brauchen.
Pegel und Abstand angleichen
Damit ein wandernder Klang nicht plötzlich lauter oder leiser wird, wenn er von vorn nach hinten läuft, müssen die Lautsprecher am Hörplatz gleich laut ankommen. Der Weg dahin:
- Spiele ein Rauschen nacheinander auf jedem Kanal ab, in einer mittleren, bequemen Lautstärke.
- Nimm ein Schallpegelmessgerät oder eine einfache Mess-App, halte das Gerät am Hörplatz auf Ohrhöhe und stelle jeden Kanal auf denselben Wert. Ohne Messgerät geht es nach Gehör, ist aber ungenauer.
- Sind einzelne Lautsprecher weiter entfernt, gleiche das nach Möglichkeit über Laufzeit-Einstellungen aus, falls dein Gerät sie hat. Der Schall braucht für jeden Meter etwa drei Millisekunden.
Nach diesem Angleichen trägt der Raum viel mehr als vorher. Wandernde Klänge bleiben in der Bahn, statt zu springen.
Der Raum redet mit
Mehrkanal deckt Raumprobleme schneller auf als Stereo. Ein Lautsprecher dicht an der Wand klingt dröhnender, ein Lautsprecher hinter dem Sofa dumpfer. Halte, wo möglich, ähnliche Bedingungen für alle Lautsprecher: ähnlicher Abstand zur Wand, ähnliche Höhe, nicht einer im Regal und einer auf dem Boden. Wie du Reflexionen und Nachhall im Wohnzimmer zähmst, beschreibt der Text über Raumakustik im Wohnzimmer.
Und noch etwas: Weil Klangkunst oft leise arbeitet, lohnt es sich, den Raum vor dem Hören ruhig zu machen. Kühlschrank, Lüfter und Strassenlärm gehören zum Stück, ob du willst oder nicht. Mehr über diese Denkweise steht im Einstiegstext Was ist Klangkunst?.
Hörtest und Fehlersuche
Typische Probleme und ihre Lösung
- Es kommt nur Stereo an: Das Abspielprogramm gibt vermutlich auf das Standard-Ausgabegerät aus, das nur zwei Kanäle kennt. Stell im Programm und im Betriebssystem das Mehrkanalgerät ein und prüfe die Kanalzahl.
- Kanäle sind vertauscht: Die Reihenfolge der Kanäle kann je nach Dateiformat und Programm unterschiedlich sein. Schau in die Zuordnung deines Programms, statt Kabel umzustecken.
- Ein Lautsprecher klingt dünn oder hohl: Prüfe, ob ein Kabel oder Lautsprecher verpolt ist. Ist ein Lautsprecher verpolt, bewegt sich seine Membran gegenläufig zu den anderen, was Bass und Ortung auslöscht.
- Brummen: Häufig helfen kürzere, sauber getrennte Kabelwege. Führe Signalkabel nicht parallel zu Netzkabeln und hänge die Geräte an dieselbe Steckdosenleiste.
Drei Prüfungen, bevor du dich zurücklehnst
- Kreisen: Ein Testton, der reihum von Lautsprecher zu Lautsprecher springt, sollte in gleichmässiger Lautstärke deinen Kopf umrunden.
- Phantommitte: Ein identisches Signal auf den beiden vorderen Kanälen sollte als Punkt genau zwischen ihnen erscheinen. Wandert er zur Seite, ist ein Lautsprecher lauter oder falsch gepolt.
- Kopfbewegung: Rutsch fünfzig Zentimeter zur Seite. Wenn der Raumklang zusammenklappt, ist dein Hörbereich schmal, was bei Mehrkanal normal ist. Merk dir den Punkt, an dem es am besten klingt, und klebe eine kleine Markierung auf den Boden.